Ich möchte mal ganz gerne einen Text teilen. Und zwar, weil ich mich gefreut habe, davon zu lesen, dass ein großes pluralistisches Projekt, wie das AZ in Aachen, es schafft, sich so klar auf Seiten von Empathie und Antimilitarismus zu positionieren. Es stecken Widersprüche im Text und ich finde schön, dass ihnen Raum gegeben wird.

Ich finds lesenswert und erfrischend und wünsche dem AZ alles Gute in der nun anstehenden (hoffentlich real stattfindenden) Auseinandersetzung mit den Themen.

Zum Text

Juten Morgen.
Heute ist Release. Überraschend einigermaßen.
"Briefe in a-Moll" kommt endlich raus.
Wir schauen heute um 20:00 auf Youtube die Premiere:


Und auf Bandcamp gibts das Programm ab sofort als Album:

Zum Album

Zum Programm:
"Briefe in a-Moll"
Ich habe mich in den letzten eineinhalb Jahren mit der Frage der Hoffnung beschäftigt. Ich befand mich in einer Situation, in der ich zwar wieder solo Kunst machen wollte, aber selbst nicht so recht wusste, was ich in einer Zeit, wie dieser, der Welt überhaupt mitteilen könnte. Es scheint alles hoffnungslos zu sein.
Ich drehe den Spieß also um und gehe nicht mit Antworten, sondern mit der Bitte um Hilfe auf die Suche und finde mein Umfeld, das mir Hoffnung macht. Per Brief. Und ich schaue auf meine Vergangenheit. Und dort finde ich Erinnerungen an Leidenschaft, Kraftlosigkeit, Idealismus, Aufgeben und wieder Aufstehen und sich selbst Reingeben. Ich schreibe ein Programm und fahre auf drei Touren. Dort treffe ich Menschen, die mit mir Gedanken und Vergangenheiten teilen und am Ende wartet eine Erkenntnis und ein Versprechen. Mein Programm heißt "Briefe in a-Moll" und es bildet einen Abschluss und einen Anfang.

Lieb jegrüßt, Konny

Ein Soloprojekt mit Akkordeon, Gitarre, Gesang und Jequatsche. Gleichzeitig mein wichtigste Lebens-Abschnitts-Tätigkeit in den Jahren zwischen 2005 und 2020.

Bald finde ich Zeit und schreibe mehr...

Vermummt im Hinterhalt aus bittersüßen Melodien wartet das Nachdenken! Grips & Schaden locken im musikalischen Schafspelz aus Geige, Kontrabass, Schlagzeug und Akkordeon zu den Texten, wo die Worte schnell auch zu Zwille und Bolzenschneider werden. Nicht aus Attitüde, sondern weil die Realitäten sind, wie sie sind: Nazi-Terror, Klima-Krise, Cop-Gewalt. Als ob es nicht auch ohne das nicht schon kompliziert genug zwischen uns wäre. Eins machen die Vier klar: In der Badewannen liegend verhindert niemand Brandenburger Kakteen. Wo Grips ist, muss eben auch manchmal Schaden sein...

Bald finde ich Zeit und schreibe mehr...

Ich bin Musiker, Theaterpädagoge und Kleinkünstler.

Das so zu sagen, wirkt jetzt vielleicht erstmal banal. Ich möchte aber mal ein unscheinbares Ereignis des heutigen Tages zum Anlass nehmen um etwas auszuholen. Mein Freund und jeschätzter Kollege Paul Geigerzähler hat mir heute n paar Bilder geschickt zusammen mit den Worten "Kiek ma meene Reiselektüre. Was haste denn da im Erzgebirge angerichtet?". Das waren diese Bilder...

Der Name "Konny" ist nun also eine popkulturelle Referenz im geschriebenen Wort - wasn Moment!

Ich mag diesen Moment deshalb, weil ich lächerlich lange Schwierigkeiten hatte, mich als das zu bezeichnen, was ich bin. Künstler, Musiker, Theaterpädagoge. Auch ich renne mit so nem Imposter-Syndrom durch die Gegend. Denn eigentlich glaube ich, dass ich seit 23 Jahren die Schule schwänze, arbeitslos bin und nix kann. Es gibt Leute in meinem Umfeld, die mir das nicht glauben wollen, aber so isset. Deswegen sind haptische Beweise für mein Wirken so spannend für mich. Ein Buch - das ist was gesellschaftlich Akzeptiertes. Inhaltlich werfen diese zwei Seiten zwar eher Fragen auf, aber ich hab ja den Kontext nicht und hier gehts auch um was andres. Ich mach mal noch ein Beispiel.

Letztes Jahr habe ich mit meinem Programm "Turgutz - Briefe in A-Moll" unter anderem auch in Leipzig gespielt. Als ich auf den Laden zugelaufen bin, hatte ich nach weit über zwanzig Jahren Bühnenerfahrung ne ganz schön heftige Gänsepelle am ganzen Körper. Denn da bot sich mir dieses Bild:

Ich mein, wenn dein Künstlername an so ner Tafel steht - dann hastes doch geschafft, oder wat?! Dann biste n echter Künstler, und n wertvollet Mitglied der Gesellschaft und allet. Oder nich?

WildwuX ist ein Theaterprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene. Das wird veranstaltet vom BDP Niedersachsen - ein ziemlich cooler, progressiver Jugendverein. Das WildwuX - Konzept geht ungefähr so: Es gibt Trekker und Bauwagen (Ja, nagut, Barbara, ich schreibe "-wagen" und nicht "-wägen") und mit den Trekkern und den Bauwagen (wtf, "-wagen") geht dann eine Gruppe im Sommer für 1-2 Wochen auf Straßentheater-Tour im Elbe-Weser-Dreieck. Ist super romantisch, schwöre...

Ich habe als Theaterpädagoge (der ich bin) in den Jahren 2017 und 2018 mit Lio (von Hörzu! und Zerreißprobe) zusammen die künstlerische Leitung gemacht.

Nach einer Pause ist die Idee entstanden mit einer Gruppe im Jahr 2020 eine riesige, fette, alles übertreffende Mega-Theater-Tour zu fahren. Das Stück hatten wir in der Tasche und die Förderung war bewilligt - und dann kam Corona. Wir haben wirklich nach Kräften versucht, das Ganze zu retten, aber vor allem die Förder:innen waren nicht zu überzeugen. Wir haben dann dennoch ein kleine Ersatztour gemacht - im Sommer 2020 zwischen den Lockdowns.

Ich habe dann die Idee wieder aufgegriffen und mit einer neuen Gruppe sind wir dann ein paar Jahre später doch noch auf eine größere Tour gefahren.

Wenn ich Zeit finde, schreibe ich mehr...

Irgendwas zwischen Band und Theaterkollektiv und für mich als Gruppenküken vielleicht sowas, wie mein Ausbildunbgsbetrieb. Natürlich bestand dieses Projekt deutlich länger, aber hier soll es mal nur um meine Zeit gehen.

Bald finde ich Zeit und schreibe mehr...

Ich bin so ca 13 Jahre alt. Meine Eltern haben großes mit mir vor. Sie haben mich in der siebten Klasse auf ein Elite-Gymnasium mit hohem Anspruch in Westberlin verfrachtet. Ich muss morgens also immer zum Ostkreuz laufen, dann da in die S-bahn, bis zum Innsbrucker Platz und dann da zur Schule.
Ich kenne dieses Durch-die-Gegend-gurken schon, weil ich seit der 2. Klasse nachmittags zu Chorproben des Staats- und Domchores fahren muss. Die finden am Ernst-Reuter-Platz statt. Drei mal die Woche. Und sonntags dann in den berliner Dom zum Auftritt bei der Messe. Zusätzlich montags Christenlehre und donnerstags Fußball. Es ist ein heftiges Programm. Ihr könnt euch das durchaus so vorstellen, dass ich da bei den sonntäglichen Auftritten schon auch wirklich mit Lackschuh und Anzug antrete.
Geschniegelt und christlich - das ist die eine Seite meines Lebens. Die andere Seite ist die Sozialisation im Friedrichshain Mitte der 90er bis Anfang der Nuller Jahre. Schön grau, ausgebombte Brachen, keine Klingeschilder an den Türen - also ein riesiger Stadtteil mit frei zugänglichen Kellern, Dachböden und Dächern. Und mit frei zugänglichen Fabrikruinen … zerkloppte Autos auf Hinterhöfen, zugewuchterte Freiflächen, Fußball spielen und rauchen ausprobieren.
Ein riesiger Abenteuer Spielplatz auf dem wir schon als Kinder völlig unbeobachtet unsere Zerstörungslust entwickeln konnten.
Ich bin auf dem Weg zum Ostkreuz, es ist so 10 nach sieben Uhr morgens und ich drehe mir eine Zigarette, bzw ich versuche das, denn ich habe das gerade erst ein paar Tage vorher gelernt. Ein älterer Punker kommt auf mich zu, schwankt ein bisschen und fragt, ob er sich eine drehen kann. Klar, denn das er mich das fragt, macht mich super cool und erwachsen. Erst während er so vor sich hindreht (auch das ist eher ein Versuch, denn er ist noch ziemlich betrunken) beginnt er, mich zu mustern.


Er fragt: "Und? Was machst du heut noch so?"


Die Frage finde ich lustig, denn für mich ist es ein abwegiger Gedanke, dass hier jetzt was anderes anstehen könnte, als das ich mich planmäßig in die Bahn setze und zur Schule fahre. Das sage ich ihm so. Es dauert einen Moment, bis er versteht, was ich sage und dann lächelt er milde und sagt:


"Ähm, ok, kannste ja machen…also ich geh heut noch das Bezirksamt besetzen."

Und zuckt mit den Schultern, so als wollte er sagen: Dein Problem, wenn du zur Schule gehst, ich hab dir das Angebot gemacht. Also ich verstehe die Geste zumindest so, und meine Entscheidung ist klar.
Ich will selbstverständlich sehen, wie René (so heißt der Typ) das Bezirksamt besetzt.
Wir gehen die Straße entlang und müssen auf dem Weg noch einen abholen und bei Renés Wohnung vorbei. Der, den er abholen will, liegt in der Gryphiusstraße in einem Hauseingang und will auf die rabiaten Weckversuche seines Kumpels nicht so recht reagieren. Also tritt der ihm aber wirklich mit Schmackes mit den Springern in die Seite. Fluchend steht er auf, und wir sind zu dritt.
Ich höre eine Geschichte, nachdem das heute Nacht wegen Alkohol mit dem Vögeln nicht so recht geklappt hat. Er ist wohl rausgeflogen und dann ein paar Häuser weiter eingepennt.
Wir landen bei René. Das Haus ist entmietet und er der einzige verbliebene Mieter ganz oben im fünften Stock in einer Eckwohnung. An der Küche gehen wir vorbei und René kommentiert: Da gehen wir nicht mehr rein. Da muss ich mal sauber machen. Und beim Anblick vom Rest der Wohnung (die wir ja durchaus betreten) kommt meine Phantasie nicht hinterher, was im Vergleich dazu hinter der Milchglastür der Küche los sein muss. Der Boden des Wohnzimmers ist komplett bedeckt mit Decken und Matratzen, die Fenster sind mit Tarn-Netzen abgehängt. Nur ein kleiner Bereich ist ausgespart. Hier befindet sich der Rechner und vier bis fünf Stühle. Der dritte Typ ist irgendwie, ohne das ich es bemerkt habe, unter einer der ganzen Decken verschwunden (vermute ich zumindest).
René bietet mir einen Kaffee an. Ich verneine. Einerseits weil ich die Tasse eklig finde und andererseits, weil Kaffee doch was für Erwachsene ist.


Und dann sagt René: So meen Kleener…was hörst du eigentlich für Musik?


Und dann zeigt er mir Musik.
Die ist so dermaßen voller Energie und rauh und heftig. Die fühlt sich irgendwie unwiderstehlich verboten an. Ich sitze da und er zeigt mir einen Song nach dem andern und dreht immer lauter.
Ich schau mich um, weil ich denke, die Nachbarn müssen sich doch beschweren, aber das Haus ist ja komplett leer. Ich kann durch die Tarnnetze erahnen, dass sich draußen der Tag entwickelt und die Sonne über Haus steigt. Hier drin zieht sich allerdings vermutlich die Nacht. Diese Gleichzeitigkeit macht mich nervös und glücklich zugleich. Ich bin infiziert mit Punk.
Zwischendrin zeigt René immer auch eine seltsame Begeisterung für einen Musiker der auf sonem Schifferklavier Melodien spielt und dabei singt, als wäre er ein peinlicher Seemann. Kommt mir komisch vor und soll später wichtig werden. Irgendwann werde ich hibbelig und will los.
René brennt mir zwei CDs einmal Schlachtrufe BRD und auf der anderen steht Quetschenpaua.
Die komische Seemanns Musik schmeiß ich zu Hause erstmal in die Ecke, aber die Schlachtrufe kommt zu Hause direkt in den CD Player. Meine Mutter liegt direkt nebenan in der Badewanne.
In meinem Zimmer dröhnt die Textzeile "Ich bin nicht stolz ein Deutscher zu sein, denn von den Stolzen gibt es genug…" und gelangt als "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein…" an die Ohren meiner Mutter, die keine zwei Sekunden später tropfend in der Tür steht.


"Was haben die da gesagt?!"


Ich: "Das hast du falsch verstannden…guck mal" und starte den Song neu.


Meine Mutter sagt: "Ok, na dann…" und zieht sich misstrauisch guckend zurück.
Im folgenden Sommer besetzen wir das Haus von René, eröffnen dort eine kleine Kneipe (eigtl nur für uns und ein paar Hippies), ich fange an durch die Kneipen und Cafes zu ziehen und Musik zu spielen, ich bin bei jeder Sponti im Kiez dabei und die Schule sieht mich nur noch selten. Die ein oder andere Bezirksamtsbesetzung sollte ich auch noch erleben dürfen...Irgendwann hör ich mir auch mal die zweite gebrannte CD an, fange Feuer und nu sind wa hier…

"Briefe in A - Moll" ist jetzt in der Pipeline und kommt bald als Album und Video für alle Schnarchnasen...

Ich habe in drei Touren in Deutschland, Österreich und der Schweiz über meine Vergangenheit in einer emanzipatorischen Bewegung resümiert und mir selbst damit das Versprechen gegeben, nicht im Gestern festhängen zu wollen. So wie ich das sehe ist das der Versuch mit einer linken Tradition zu brechen. Der Blick auf die Gegenwart und die Zukunft soll also folgen.

Aktuell sind David und ich mit Videoschnitt und Audiomix beschäftigt während mein Kopf schon die ersten Ideen für das, was jetzt so kommen soll zu spinnen beginnt....